3. Biologische Vielfalt und Ökosysteme (ESRS E4)
3.1 Biologische Vielfalt und Ökosysteme in der Veranlagung
3.1.1 Wesentliche Auswirkungen, Risiken und Chancen und ihr Zusammenspiel mit Strategie und Geschäftsmodell (ESRS 2 SBM-3) und Beschreibung der Verfahren zur Ermittlung und Bewertung der wesentlichen Auswirkungen, Risiken, Abhängigkeiten und Chancen im Zusammenhang mit biologischer Vielfalt und Ökosystemen (ESRS 2 IRO-1)
Biodiversität, die die Vielfalt von Arten, Ökosystemen und genetischen Ressourcen umfasst, ist entscheidend für die Widerstandsfähigkeit natürlicher Systeme und der globalen Wirtschaft. Ökosysteme erbringen Dienstleistungen wie Kohlenstoffspeicherung, Wasserreinigung, Bestäubung und Klimaregulierung – all dies unterstützt die Kontinuität wirtschaftlicher Aktivitäten und die langfristige Wertschöpfung. Dennoch nimmt die biologische Vielfalt rapide ab. Für Investoren stellt der Verlust der biologischen Vielfalt sowohl ein systemisches Risiko als auch eine Quelle potenzieller Disruption dar. Der Verlust von Biodiversität kann Lieferketten beeinträchtigen, Betriebskosten erhöhen und Unternehmen regulatorischen sowie reputationsbezogenen Risiken aussetzen. Im Rahmen der Wesentlichkeitsanalyse hat UNIQA potenziell negative, wesentliche Auswirkungen auf Biodiversität im Zusammenhang mit Unternehmen, in die UNIQA investiert ist, identifiziert.
Im Rahmen der Wesentlichkeitsanalyse wurde das Investitionsportfolio von UNIQA zunächst anhand von Biodiversitätsdaten des externen Datenanbieters ISS analysiert. Um ein tieferes Verständnis der Abhängigkeiten und Einflüsse des Portfolios auf die biologische Vielfalt zu gewinnen, wurde eine zusätzliche Analyse unter Verwendung öffentlich zugänglicher Daten von ENCORE (Exploring Natural Capital Opportunities, Risks, and Exposure) durchgeführt. ENCORE bietet sektorspezifische Daten für biodiversitätsbezogene Einflüsse und Abhängigkeiten. Auf dieser Datenbasis wurde das Investitionsportfolio untersucht, um Sektoren zu identifizieren, die entweder einen erheblichen negativen Einfluss auf Biodiversität haben oder stark von ihr abhängig sind. Unternehmen aus den Sektoren Bergbau, Baugewerbe und Energieversorgung zeigen den höchsten Einfluss auf Biodiversität während vor allem Unternehmen aus dem Sektor Gastgewerbe hohe Abhängigkeiten von Biodiversität aufzeigen. Eine Analyse der Einflüsse und Abhängigkeiten auf Sub-Themen der Biodiversität wie Landverödung, Wüstenbildung oder Bodenversiegelung wurde nicht durchgeführt.
3.1.2 Übergangsplan und Berücksichtigung von biologischer Vielfalt und Ökosystemen in Strategie und Geschäftsmodell (E4-1)
Auf Grundlage dieser Analysen wurde Biodiversität erstmals im Geschäftsjahr als wesentlich für die Investmentstrategie von UNIQA identifiziert. Aufgrund der Bedeutung des Themas und der damit verbundenen Risiken integriert UNIQA, Biodiversitätsaspekte in den Investmentansatz. UNIQA hat derzeit noch keinen Übergangsplan in Bezug auf Biodiversität.
3.1.3 Konzepte im Zusammenhang mit biologischer Vielfalt und Ökosystemen (E4-2)
Die Responsible Investment Guideline von UNIQA Group sieht die Integration von ESG-Kriterien in Investitionsentscheidungen vor. Der Schwerpunkt von UNIQA lag dabei bisher auf dem Thema Klimawandel, während biodiversitätsbezogene Themen bislang vor allem über den Ausschluss von Normenverstößen – einschließlich gravierender Umweltschäden – berücksichtigt wurden. Nachdem Biodiversität als wesentlich eingestuft wurde, hat UNIQA begonnen Investitionen in Unternehmen mit negativen Einflüssen auf biodiversitätssensible Gebiete, zu überwachen.
3.1.4 Maßnahmen und Mittel im Zusammenhang mit biologischer Vielfalt und Ökosystemen (E4-3)
UNIQA ist im Geschäftsjahr einer von ISS organisierten und geleiteten kollaborativen Biodiversitäts-Engagement-Initiative beigetreten. Im Rahmen dieses Engagements wählt ISS Unternehmen aus Sektoren mit erheblichen Auswirkungen auf beziehungsweise Abhängigkeiten von Biodiversität aus – darunter die Lebensmittelbranche, die Öl- und Gasindustrie sowie der Bergbau. Ziel des Engagement-Prozesses ist es, biodiversitätsbezogene Aspekte in die Unternehmensstrategien zu integrieren, negative Auswirkungen der Geschäftstätigkeit zu verringern und die Offenlegung biodiversitätsbezogener Daten zu verbessern. Diese Engagements sind langfristig angelegt und umfassen über mehrere Jahre hinweg wiederholte Interaktionen mit den Unternehmen.
Zusätzlich zur sektorspezifischen Analyse mit ENCORE überwacht UNIQA die Exposition zu Unternehmen, die von ISS als Unternehmen mit negativem Einfluss auf biodiversitätssensible Regionen eingestuft wurden, die keine Maßnahmen zur Verbesserung des negativen Einflusses eingeführt haben.
Negative Einflüsse werden von ISS als eine spezifische Kontroverse definiert, bei der es sich um ein glaubhaft behauptetes oder nachgewiesenes Unternehmensversagen handelt, an dem das investierte Unternehmen direkt beteiligt ist und für dessen Behebung es keine Abhilfemaßnahmen eingeleitet hat.
Der Indikator umfasst darüber hinaus biodiversitätssensible Regionen, darunter Gebiete, die unter dem UNESCO-Welterbe-Übereinkommen und der Ramsar-Konvention über Feuchtgebiete geschützt sind.
Dieser Indikator ist ein wichtiges und standardisiertes Maß zur Überwachung der Auswirkungen von Investitionen auf die Biodiversität und findet breite Anerkennung, da er als Schlüsselindikator in die Berichterstattung über wesentliche nachteilige Auswirkungen (Principal Adverse Impact, PAI) der Europäischen Union im Rahmen der Offenlegungs-verordnung (Sustainable Finance Disclosure Regulation, SFDR) aufgenommen wurde.
Aufgrund seiner Relevanz für die Bewertung von Risiken und Auswirkungen im Zusammenhang mit Biodiversität hat UNIQA diesen Indikator als grundlegende Kennzahl für die Entwicklung ihrer Biodiversitäts-Anlagestrategie identifiziert.
3.1.5 Ziele im Zusammenhang mit biologischer Vielfalt und Ökosystemen (E4-4)
UNIQA hat bislang keine portfolioübergreifenden Biodiversitätsziele festgelegt. Der derzeitige Fokus liegt auf dem Aufbau eines fundierten Verständnisses für Abhängigkeiten und Einflüsse im Bereich von Biodiversität als ersten Schritt. Wie oben beschrieben, hat UNIQA damit begonnen, die Exposition der Investitionen in Unternehmen mit negativen Einflüssen auf biodiversitätssensible Gebiete zu überwachen und sich an einer kollaborativen Engagement-Initiative zu beteiligen, um eine stabile Ausgangsbasis zu schaffen, die künftig die Festlegung sinnvoller und idealerweise evidenzbasierter Ziele ermöglichen soll.
3.1.6 Kennzahlen für die Auswirkungen im Zusammenhang mit biologischer Vielfalt und Ökosystemveränderungen (E4-5)
UNIQA überwacht das Portfolio hinsichtlich Investitionen in Unternehmen mit negativen Einflüssen auf biodiversitätssensible Gebiete mit dem oben beschriebenen Indikator von ISS. Zum Bilanzstichtag liegt aus diesem Indikator keine Exposition zu solchen Unternehmen vor.